Für einen radikalen Antimilitarismus in jedem Land – Artikel aus der Graswurzelrevolution

Da unser Beitrag von Indy gelöscht wurde und wir wieder die Kriegsbefürworter und Anarchist*innenhasser ausserhalb von Indy am Werk sehen, werden wir den Artikel aus der Graswurzelrevolution zur Absicherung auch hier posten. Wir dachten Indy würde reichen. Auf Indy hatten wir ihn heute (7.5) gepostet unter https://de.indymedia.org/node/507425
Bitte diesen Beitrag gerne weiterposten. Vielen Dank.

Der Artikel war überschrieben mit:
Was kratzt uns Anarchsit*innen eigentlich der Veteranentag? So einiges!

Wir glauben, dass die Bedeutung des kommenden nationalen Veteranentags in seiner Tragweite noch nicht in den Köpfen angekommen ist, weil nicht zuletzt auch vielen Anarchist*innen die Auseinandersetzung mit dem „Soldatischen“, dem Militarismus und den „Veteranen“ verloren gegangen ist. Ein radikaler Antimilitarismus, der sich jedem Militär verweigert und zur weltweiten Desertion, Kriegsdienstverweigerung und Sabotage ermuntert, hatte es auch schon vorher schwer. Wird der Kampf gegen Militär obendrein noch gekoppelt mit dem notwendigen Kampf gegen das Patriarchat, dünnt sich das Feld derer nochmal aus, die in antimilitaristische Aktion treten wollen.

Ein radikaler Antimilitarismus, der sich jedem Militär verweigert und zur weltweiten Desertion, Kriegsdienstverweigerung und Sabotage ermuntert, hat es noch schwer. Wird der Kampf gegen Militär obendrein noch gekoppelt mitdem notwendigen Kampf gegen das Patriarchat, dünnt sich das Feld derer nochmal aus, die in antimilitaristische Aktion treten wollen.

Die Bundeswehr hat es da einfacher. Im Veteranenbüro koordinieren zehn abkommandierte Soldaten täglich die 60 Veranstaltungen, die bundesweit zum Veteranentag am 15. Juni 2025 in Planung sind. Sie koordinieren mit der Politik, den Reservisten- und Veteranenverbänden den Versuch, eine Veteranenkultur salonfähig zu machen. Denn Kriegsfähigkeit soll der Bevölkerung auf allen Wegen und mit allen Mitteln erst mal wieder beigebracht und beigebogen werden. Deshalb zunächst ein als Familienfest getarntes Event am Berliner Reichstag mit Veteranendorf, Hüpfburg, Essständen und vielen Politiker*innen, höheren Soldaten und Hofberichterstattung. In Hamburg wird an dem Tag eine öffentliche Beförderung von neuen Offizieren veranstaltet.

Wir wollen die Chance nutzen, um den Veteranentag schon im Ansatz seiner Entwicklung zu einem „Rohrkrepierer“ werden zu lassen. Dass ein Veteranen- tag, der zum politischen Reinfall wird, weit größere Konsequenzen hat, als uns beim ersten Nachdenken darüber bewusst ist, darüber wollen wir schreiben. Wir befinden uns auf dem Weg in eine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa beispiellosen weltweiten Militarisierung an dessen Ende nicht Frieden auf uns wartet, sondern: Krieg. Solange wir
noch Bewegungsfreiheit haben, sollten wir alle unsere Kämpfe in Beziehung zu einem radikalen Antimilitarismus setzen, der vor keiner Nationalgrenze, vor keiner Ideologie und keiner Religion halt macht.
Noch immer gibt es Gruppen, die verkünden, der Hauptfeind stünde im eigenen Land. Unabhängig davon, ob diese Parole jemals stimmte, sie geht heute an der Realität vorbei: Die Verteilungskämpfe und die sich verschiebenden Machtkonstellationen, die Folgen der Erderwärmung mit ihren Hungersnöten, Katastrophen und Kriegen münden gerade in eine weltweite Militarisierung. Mit der meist aus ideologischen Gründen vorgetragenen Parole, drückt mensch sich vor einer sozialrevolutionären Bestimmung des antimilitaristischen Kampfes, der die Deserteure aller Länder willkommen heißt und keine Grenzen kennt.

Wir beobachten und erleben in unserem Umfeld permanent Widersprüche und stellen deswegen folgende Fragen: Warum gibt es noch Zusammenhänge/Positionen/Menschen, die in der NATO den Hauptfeind sehen, und damit z.B. den Angriff Russlands auf die Ukraine relativieren und oder als Notwehr legitimieren? Warum wird in vielen (autoritär-)kommunistischen Lagern eine Kriegslogik reproduziert und ein verstaubter Antiimperialismus-Begriff Lenins verbreitet, der in gutes und schlechtes Militär unterscheidet? Und warum gibt es sogar Menschen, die vorgeben, Anarchist*innen zu sein, aber sich eine ukrainische Uniform anziehen, um andere, die sie nicht kennen, zu ermorden oder von diesen ermordet zu werden?
Scheinbar liegt es daran, dass unsere deutliche Position jenseits aller Polarisierungen und Kriegslogiken noch nicht durchgedrungen ist.
Liegt es daran, dass es keine nennenswerte Organisierung über einzelne Events hinaus gibt, die sich über gemeinsame Ziele im Bereich des radikalen Antimilitarismus verständigt hat? Liegt es an den oben skizzierten Brüchen, die ein Auseinandergehen zur Folge haben und wir uns im Kleinen erst einmal neu finden müssen?

Wenn also Schluss mit jeder Waffenbruderschaft sein soll – egal wo, dann dadurch, dass die aufgezählten Polarisierungen und die Kriegslogiken durch kreuzt werden. Der Veteranentag kann, auch wenn nicht mehr viel Zeit ist, ein Signal derer werden, die jedem Militär in die olivbraune Suppe spucken wollen. Zeit für neue Bündnisse und Erfahrungen stehen an. Der Veteranentag in Deutschland ist ein weiterer Schritt zur weltweiten Militarisierung, die wir un- terbrechen wollen – weil wir vor die Kriege kommen wollen.
Der Hauptfeind steht in jedem Land, unterhält Militär und Milizen, trägt gerne Uniformen und folgt Befehlsketten. Befehl und Gehorsam und eine ausgeprägte Hierarchie garantieren militärische Operationen im großen Stil. Militär in jedem Land ist geeignet, die eigene Bevölkerung in Schach zu halten und im Bedarfsfall niederzuschlagen. Sowie den äußeren Feind niederzuringen, wenn dies ökonomischen, religiösen und/oder ideologischen Interessen dient. Das Militär zwingt Menschen, die als Männer sozialisiert wurden, in Uniformen und an die Waffe, drillt deren Psyche, bis sie in der Lage sind, Menschen, die sie noch nie zuvor gesehen haben, umzubringen. Diese Männer, denen die soldatischen Tugenden antrainiert werden, um Gewalt gegen den jeweiligen potentiellen Gegner ausüben zu können, sind dann auch bereit „für die Sache“ qualvoll, aber heldenhaft zu krepieren. Posthum gibt es dann ein Ehrengrab.
Militär und Patriarchat sind eindeutig miteinander verwoben. Der eigentliche Hauptfeind eines radikalen Antimilitarismus ist deshalb das Patriarchat – es steht in jedem Land und muss überall bekämpft werden.
Im November 2024 haben wir mit dem Artikel „Wie kommen wir in die Initiative? Gegen jeden Krieg – das patriarcha- le Kommando entwaffnen“ in der GWR 493 ausgeführt: Der Zugriff auf männlich gelesene Körper, die eine patriarchale Formierung erfahren, ist dieVoraussetzung für eine militarisierte, soldatisch antrainierte Eigenschaft, die Grundlage für die Bereitschaft zum Morden überhaupt erst herstellbar macht. Toxische Männlichkeit fällt nicht vom Himmel, sie wird entlang der biologischen Differenz als Herrschaftsverhältnis entwickelt, das die Bereitschaft zur Vergewaltigung als Kriegswaffe impliziert – im Krieg wie zu Friedenszeiten. Siehe dazu auch unseren Artikel „Mobilisierung gegen den Veteranentag!“, in der GWR 496 vom Februar 2025. Wenn der Veteranentag zu einem politischen Desaster werden soll, müssen neue Bündnisse her. Die schweigende Mehrheit, die sich Kriegslogiken verweigert und weder für die Hamas noch Netanyahu und die deutsche Staatsräson auf die Straße gehen würde, wird derzeit noch kaum Gruppen finden, die sichtbar einen radikalen Antimilitarismus verkörpern.

Für uns ist deshalb die Vorbereitung und Durchführung von Aktionen gegen den Veteranentag eine Chance, zu tragfähigen Bündnissen zu kommen, um mit klaren Positionen zu handeln, wenn die nächste Militarisierungswelle hereinbricht. Deshalb setzten wir unverhan-
delbar: „Gegen jeden Krieg, Gegen jedes Militär“.
Denn auch wenn sich das vordergründig nach einer trivialen Positionierung anhört, wird sie im Zuge weiterer kriegerischer Polarisierungen hilfreicher seinals gedacht. Schon jetzt trennt sich an dieser Parole die Spreu vom Weizen, weil sich oft zeigt, wie viel wir selber in Kriegslogik gefangen sind, Partei ergreifen für die eine oder andere Seite eines Konfliktes, anstatt über jede Nationalgrenze und Ideologie hinweg, Soldaten und Milizionäre aufzufordern, die Waffen zu zerstören, gegen die eigenen Herren zu drehen oder zu desertieren.
Veteranen sind in Deutschland nicht nur Soldaten, die im Aus- landseinsatz waren oder von einer Front gekommen sind. Die Bundesregierung dehnte den Begriff auf alle aus, die seit 1955 Soldaten in der Bundeswehr waren oder sind. Das heißt auch auf die Kriegsverbrecher, die aus der Wehrmacht kamen, auf die Zeit- und Berufssoldaten und die Wehrpflichtigen bis hin zu den heute aktiven Soldat*innen. Der nationale Veteranentag ist deshalb ein Gedenktag des Soldatischen. Er hat den Zweck, die Bundeswehr und eine Veteranenkultur so breit wie möglich in der Gesellschaft salonfähig zu machen. Denn das gehört zur Kriegsvorbereitung dazu. Die Bevölkerung soll die Soldaten als Normalität wahrnehmen: im Straßenbild, in den Netzwerken und Debatten.
Nicht ohne uns! Wir werden die schrille Gegenstimme zur Militarisierung sein. Wir werden umso lauter sein, wenn du, die das gerade liest, mit uns in den
radikal antimilitaristischen Kanon einsteigst – am Veteranentag und darüber hinaus. Wenn du dich dafür einsetzt, allen Deserteuren, die Möglichkeit zu verschaffen zu erzählen, weshalb sie abgehauen sind, wenn du Kontakte zu Veteranen gegen Krieg hast, lass es uns gerne wissen.
Wir wollen eine öffentliche Sichtbarkeit gegen jeden Krieg, gegen jedes Militär herstellen. Wir wollen den Veteranentag in eine Festung verwandeln.
Sollen sie sich doch hinter Absperrung und Polizei und Feldjägern verschanzen. Denn weder spricht der Veteranentag für alle in Deutschland lebenden Menschen, noch spricht er für alle Veteran*innen. Dass es mindestens ein Drittel an Wehrpflichtigen gab, die die Bundeswehr alles andere als toll fanden, verschwindet unter dieser Gleichmacherei.
Gegen die militaristischen Zusammenkünfte wollen wir ein tragfähiges Netzwerk entwikeln, das sich nicht bei jedem neuen Krieg verunsichert von Gegenpropaganda, Verwirrungen und militarisierter Kriegslogik neu erfinden muss.
Wir wollen das zusammenrocken! Noch ist Zeit, um ein Bündnis zu schmieden, das einem radikalen, antipatriarchalen, antifaschistischen Antimilitarismus den Weg bahnt. Wir werden sicherlich Fehler machen, aber unsere Vielfältigkeit und Unberechenbarkeit ist auch eine Stärke.
Der Veteranentag soll ein politisches Desaster werden! Und damit zu einem internationalen Signal gegen jeden Krieg und jedes Militär.
Meldet euch gerne, um euch mit uns zu verbünden. Je mehr wir sind, desto lauter ist das Nein zum Veteranentag.

Provisorischer anarchistischer
Antikriegsrat Berlin

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Kontakt: antiSPAMSCHUTZkriegsrat_berlin@risRAUSNEHMENeup.net

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